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Zakat & Sadaqa

Sadaqa Dschariya: Was eine fortlaufende Spende ausmacht

Was Sadaqa Dschariya bedeutet, worauf sie sich stützt und woran Sie erkennen, ob eine Spende wirklich dauerhaft hilft.

Redaktion Asunya e.V.7 Min. Lesezeit

Menschen in Gaza stehen mit Wasserkanistern vor einem Tankwagen, davor ein Banner von Asunya zum Wasserprojekt 2026
Inhalt dieses Artikels

Ein Brunnen, der zwanzig Jahre lang ein Dorf versorgen kann. Ein Schulbuch, aus dem mehrere Jahrgänge lernen. Ein Olivenbaum, der noch Früchte trägt, wenn der Mensch, der ihn gepflanzt hat, längst gestorben ist. Für solche Gaben gibt es im Islam einen eigenen Begriff: Sadaqa Dschariya.

Was bedeutet Sadaqa Dschariya?

Sadaqa (arabisch صدقة) ist die freiwillige Spende im Islam. Dschariya (جارية) bedeutet „fließend“ oder „fortlaufend“. Gemeint ist eine Spende, deren Nutzen nicht mit der Übergabe endet. Im Deutschen finden Sie auch die Schreibweisen Sadaqa Jariya oder Sadaqah Jariyah.

Die Grundlage ist ein Hadith, also eine Überlieferung von Worten des Propheten Muhammad. Abu Huraira berichtet, dass der Prophet sagte:

„Wenn der Mensch stirbt, endet sein Wirken, außer in dreien: einer fortlaufenden Spende, Wissen, von dem Nutzen gezogen wird, oder einem rechtschaffenen Kind, das für ihn betet.“

Sahih Muslim, Nr. 1631, Buch der Testamente (sunnah.com)

Solange der Nutzen einer solchen Spende anhält, erreicht ihr Lohn den Spender, auch nach seinem Tod.

Eng oder weit verstanden?

In klassischen Kommentaren, etwa bei an-Nawawi, wird die fortlaufende Spende mit der Stiftung (arabisch Waqf) gleichgesetzt. An-Nawawi schreibt in seinem Kommentar zu Sahih Muslim: „die fortlaufende Spende, das ist der Waqf“ (IslamQA). Ein Vermögenswert bleibt dauerhaft erhalten, nur sein Ertrag wird verteilt, wie bei Umar ibn al-Khattab und seinem Land in Khaibar (Sahih al-Bukhari 2737). Im Alltag wird der Begriff weiter verwendet, für alles, was über längere Zeit Nutzen stiftet. Wie eng Sie ihn für sich auslegen sollten, besprechen Sie am besten mit Ihrer Moscheegemeinde oder einem Gelehrten.

Sadaqa, Sadaqa Dschariya und Zakat: der Unterschied

ZakatSadaqaSadaqa Dschariya
Pflicht oder freiwillig?Pflicht, wenn das Vermögen eine bestimmte Grenze (Nisab) übersteigtfreiwilligfreiwillig
Wie lange wirkt sie?je nach Verwendungoft sofort und einmaligüber längere Zeit

Sadaqa Dschariya ist eine Form der Sadaqa. Eine warme Mahlzeit für eine hungernde Familie ist eine wertvolle Sadaqa, in einer Notlage oft das Dringendste, aber ihr Nutzen endet mit dem Essen. Zakat ist dagegen eine Pflichtabgabe mit festen Regeln, die unser Beitrag Zakat al-Mal einfach erklärt beschreibt.

Ist eine Dauerspende eine Sadaqa Dschariya?

Nicht automatisch: Eine Dauerspende beschreibt, wie oft Sie geben, Sadaqa Dschariya dagegen, wie lange eine Spende wirkt. Eine monatliche Spende für Brot ist eine regelmäßige Sadaqa, eine einmalige Spende für einen Brunnen kann dagegen eine Sadaqa Dschariya sein. Wie eine Dauerspende bei Asunya funktioniert, lesen Sie auf der Seite Regelmäßig helfen.

Welche Spenden gelten als Sadaqa Dschariya?

Eine Überlieferung bei Ibn Madscha nennt Taten, deren Lohn einen Gläubigen nach seinem Tod erreicht: gelehrtes Wissen, ein rechtschaffenes Kind, ein hinterlassenes Koran-Exemplar, eine gebaute Moschee oder Unterkunft für Reisende, ein angelegter Wasserlauf und eine Spende, die er gesund und zu Lebzeiten aus seinem Vermögen gegeben hat (Sunan Ibn Madscha 242). Hadith-Gelehrte bewerten die Überlieferungskette unterschiedlich, die Beispiele lassen sich aber den drei Dingen aus Sahih Muslim zuordnen. Typische Formen heute:

  • Wasser: Brunnen, Leitungen oder Zisternen liefern Wasser, solange sie gewartet werden.
  • Bildung: Schulgebäude, Lehrkräfte, Bücher und Stipendien geben Wissen weiter, das bleibt.
  • Moscheen: Bau, Erhalt oder Ausstattung nützen, solange dort gebetet wird.
  • Bäume: Wer einen Baum pflanzt, von dem Mensch oder Tier isst, dem zählt das als Spende (Sahih al-Bukhari 2320).
  • Lebensgrundlagen: Werkzeug, Saatgut oder Startkapital ermöglichen einer Familie ein eigenes Einkommen.
  • Stiftung (Waqf): Ein Vermögen bleibt erhalten und sein Ertrag wird dauerhaft verteilt, in Deutschland am ehesten als Stiftung.

Sadaqa Dschariya im Namen Verstorbener

Ein Mann sagte dem Propheten, seine Mutter sei plötzlich gestorben, und fragte, ob er für sie spenden dürfe. Der Prophet bejahte das (Sahih al-Bukhari 2760).

Bekannt ist auch Saad ibn Ubada. Nach dem Tod seiner Mutter fragte er, ob ihr eine Spende nütze. Der Prophet bejahte, und Saad stiftete einen Garten in ihrem Namen (Sahih al-Bukhari 2756). Nach einer weiteren Überlieferung nannte der Prophet ihm Wasser als beste Spende, worauf Saad einen Brunnen für seine Mutter graben ließ (Sunan Abi Dawud 1681). Diese zweite Überlieferung gilt als schwächer belegt als die bei al-Bukhari.

Praktisch fassen Sie die Absicht (arabisch Niyya), dass der Lohn der verstorbenen Person zugutekommt. Bei Asunya können Sie den Namen der verstorbenen Person angeben: Schreiben Sie uns an contact@asunya.org. Bei Einzelfragen, etwa zu anderen Taten im Namen Verstorbener oder zum Umgang mit dem Nachlass, wenden Sie sich an Ihre Moscheegemeinde oder einen Gelehrten.

Eine Sadaqa Dschariya im Testament

Nach der Überlieferung soll ein Vermächtnis für einen guten Zweck ein Drittel des Vermögens nicht übersteigen, damit die Erben versorgt bleiben (Sahih al-Bukhari 2742). In Deutschland gilt zusätzlich das Erbrecht: Nahe Angehörige haben Anspruch auf ihren Pflichtteil, und ein Vermächtnis darf diesen nicht schmälern. Lassen Sie sich dazu von einem Notar oder einer Fachanwältin für Erbrecht beraten.

Woran Sie erkennen, ob eine Spende fortlaufend wirkt

Ob eine Spende fortlaufend wirkt, entscheidet sich nicht am Etikett im Spendenaufruf, sondern daran, ob das Projekt nach Jahren noch funktioniert. Eine Auswertung von Daten aus Afrika südlich der Sahara schätzt, dass dort zu jedem Zeitpunkt etwa jede vierte Handpumpe nicht funktioniert (Foster u. a., 2019). Mit diesen Fragen können Sie ein Projekt einschätzen:

  1. Was genau wird gebaut oder angeschafft? Ein konkreter Gegenstand oder Ort ist leichter nachzuprüfen.
  2. Wer ist danach zuständig? Gibt es eine Gemeinde, Schule oder ein Komitee vor Ort?
  3. Wer bezahlt Wartung und Reparaturen? Ein Brunnen braucht Ersatzteile, eine Schule braucht Lehrkräfte.
  4. Wie lange soll die Anlage halten? Seriöse Anbieter nennen eine Nutzungsdauer statt „für immer“.
  5. Bekommen Sie eine Rückmeldung? Fotos, Standort und am besten ein Bericht nach ein oder zwei Jahren.
  6. Passt das Projekt zur Lage vor Ort? In einem aktiven Krisengebiet kann eine neue Anlage zerstört werden.

Keine Organisation kann garantieren, dass eine Anlage Jahrzehnte übersteht. Nach einem bekannten Hadith werden Taten nach ihren Absichten beurteilt (Sahih al-Bukhari 1). Fragen Sie bei jeder Organisation nach, was sie tut, damit der Nutzen möglichst lange anhält, auch bei uns.

Was Asunya unterstützt

Unsere Arbeit in Gaza und in weiteren Krisengebieten besteht zu einem großen Teil aus Nothilfe: Brot aus einer Bäckerei vor Ort, warme Mahlzeiten und Trinkwasser per Tankwagen. Das hilft sofort, ist aber nach dem Verbrauch beendet und deshalb eine Sadaqa, keine Sadaqa Dschariya.

Ein Helfer in Warnweste formt Teig an einer Brotmaschine, daneben ein Banner von Asunya zum Brotprojekt 2026 in Gaza.
Brotprojekt in Gaza. In einer Bäckerei vor Ort backen Helfer Brot für vertriebene Familien.
Ein Helfer in Warnweste übergibt einer Frau vor ihrem Zelt eine Tüte Brot.
Brot bis ans Zelt. Helfer bringen das Brot direkt zu den Familien in den Zeltlagern.
Viele Schalen mit Reis und Hähnchen stehen auf einem Tisch, daneben ein Banner von Asunya zum Mahlzeitenprojekt 2026 in Gaza.
Warme Mahlzeiten. Gekochte Mahlzeiten mit Reis und Hähnchen werden an Familien ausgegeben.
Familien stehen mit einer langen Reihe von Wasserkanistern vor einem Tankwagen mit einem Banner von Asunya zum Wasserprojekt in Gaza.
Trinkwasser per Tankwagen. Ein Tankwagen füllt die Wasserkanister der Familien.

Daneben gibt es Projekte, die auf längere Wirkung angelegt sind:

  • Trinkwasserversorgung: Bau von Wasserbrunnen und Wassersystemen, damit Gemeinden dauerhaft Zugang zu sicherem Trinkwasser haben.
  • Brunnenreparaturprojekt: Vorhandene Wasserbrunnen werden instand gesetzt, damit sie wieder und langfristig nutzbar sind.
  • Asunya Village: Ein Wohnort für Familien, die durch Krieg und Vertreibung ihr Zuhause verloren haben, mit wetterfesten Unterkünften, sanitären Anlagen, Gemeinschaftsbereichen, medizinischer Grundversorgung und Bildungsangeboten.

Die Brunnen gehören zur Kategorie Wasser aus der Liste oben. Ob Sie ein Projekt für sich als Sadaqa Dschariya verstehen, entscheiden Sie anhand der sechs Fragen und im Zweifel mit Ihrer Moscheegemeinde oder einem Gelehrten. Zum genauen Ort, zur Zuständigkeit für die Wartung und zur Rückmeldung an Spender erreichen Sie uns unter contact@asunya.org. Und weil die Projekte in Krisengebieten liegen, gilt Frage 6: Eine Anlage kann dort beschädigt werden.

Fazit

Sadaqa Dschariya ist eine freiwillige Spende, deren Nutzen lange anhält, gestützt auf den Hadith in Sahih Muslim 1631. Ob eine Spende wirklich fortlaufend wirkt, hängt von Wartung, Zuständigkeit und ehrlicher Rückmeldung ab, und bei offenen religiösen Fragen hilft Ihre Moscheegemeinde oder ein Gelehrter.

Häufige Fragen

Kann ich eine Sadaqa Dschariya für einen verstorbenen Angehörigen geben?

Ja. Nach Überlieferungen in Sahih al-Bukhari hat der Prophet Muhammad bestätigt, dass eine Spende im Namen eines Verstorbenen diesem zugutekommt. Bei Asunya können Sie den Namen der verstorbenen Person angeben: Schreiben Sie uns an contact@asunya.org. Für Einzelfragen, etwa zu Testament oder Erbe, wenden Sie sich an Ihre Moscheegemeinde oder an einen Gelehrten.

Gibt es einen Mindestbetrag für eine Sadaqa Dschariya?

Nein. Sie können sich auch mit einem kleinen Betrag an einem größeren Vorhaben beteiligen, das viele Spenderinnen und Spender gemeinsam finanzieren.

Quellen

  1. Sahih Muslim 1631, Buch der Testamente (drei Dinge, die nach dem Tod weiterwirken) (abgerufen am 12. Oktober 2026)
  2. Sunan Ibn Madscha 242 (Taten, deren Lohn nach dem Tod weiterwirkt) (abgerufen am 12. Oktober 2026)
  3. Sahih al-Bukhari 1 (Taten werden nach den Absichten beurteilt) (abgerufen am 12. Oktober 2026)
  4. Sahih al-Bukhari 2320 (Wer einen Baum pflanzt) (abgerufen am 12. Oktober 2026)
  5. Sahih al-Bukhari 2737 (Umar und das Land in Khaibar, Grundlage des Waqf) (abgerufen am 12. Oktober 2026)
  6. Sahih al-Bukhari 2756 (Saad ibn Ubada spendet einen Garten für seine Mutter) (abgerufen am 12. Oktober 2026)
  7. Sahih al-Bukhari 2760 (Spende im Namen der verstorbenen Mutter) (abgerufen am 12. Oktober 2026)
  8. Sunan Abi Dawud 1681 (Wasser als Spende für Umm Saad) (abgerufen am 12. Oktober 2026)
  9. Sahih al-Bukhari 2742 (Vermächtnis bis zu einem Drittel) (abgerufen am 12. Oktober 2026)
  10. an-Nawawi, al-Minhadsch Scharh Sahih Muslim, Bd. 11, S. 85: „die fortlaufende Spende, das ist die Stiftung (Waqf)“, zitiert nach IslamQA (arabisch) (abgerufen am 13. Oktober 2026)
  11. IslamQA (deutsch): Was ist die fortlaufende Spende (Sadaqah Jariyah)? (abgerufen am 12. Oktober 2026)
  12. Foster u. a. (2019): Functionality of handpump water supplies, International Journal of Water Resources Development (abgerufen am 13. Oktober 2026)
  13. UPGro Policy Brief: Rural water services in sub-Saharan Africa (nennt die Zahl von Foster u. a. 2019) (abgerufen am 13. Oktober 2026)

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