Winterhilfe im Nahen Osten 2026: Warum Kälte für Vertriebene lebensgefährlich wird
Zelte in Gaza sind kaputt, in Syrien fehlt Geld für Winterhilfe. Was die Zahlen von 2026 zeigen und wofür eine Winterspende eingesetzt wird.
Redaktion Asunya e.V.5 Min. Lesezeit

Inhalt dieses Artikels
Am 24. September 2026 meldete das Medienbüro der Regierung in Gaza, dass 162.000 von rund 270.000 Zelten inzwischen unbrauchbar sind. Das sind 60 Prozent des gesamten Bestands. Die übrigen Zelte halten Wind, Regen und Kälte laut derselben Quelle kaum noch stand. Generaldirektor Ismail al-Thawabta sprach von einem drohenden „katastrophalen Winter“, falls sich an der Unterkunftslage nichts ändere (Middle East Monitor, 24.09.2026).
Diese Zahl stammt von einer Konfliktpartei und lässt sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Sie passt aber zu dem, was Hilfsorganisationen schon im Sommer festgestellt haben. Im Folgenden lesen Sie, wie die Lage in Gaza und in Syrien aussieht und wofür Winterhilfe eingesetzt wird.
Wie ist die Unterkunftslage in Gaza?
Der Shelter Cluster, in dem sich die Hilfsorganisationen für Unterkünfte abstimmen und den der Norwegian Refugee Council (NRC) leitet, hat im Juni 2026 1.951 Haushalte befragt. Das Ergebnis: 1,98 Millionen Menschen, also 94 Prozent der Bevölkerung, brauchten Unterstützung bei der Unterbringung (NRC Deutschland, 2026).
Ein Bericht von NRC und Shelter Cluster vom 24. August 2026 bestätigt diese Größenordnung. Fast zwei Drittel der Haushalte lebten demnach in Zelten oder Behelfsunterkünften, über die Hälfte davon in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Baumaterial, um Häuser zu reparieren, kommt weiterhin nicht in ausreichender Menge ins Land (Brussels Times / NRC, 24.08.2026). Zwei Erhebungen im Abstand von zwei Monaten zeigen also dieselbe Richtung: Die Unterkünfte waren schon vor dem Herbst am Limit.
Hinzu kommt der Blick auf den letzten Winter. Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) hält in seinem Lagebericht vom 18. September 2026 fest, dass im vergangenen Winter mindestens 11 Kinder im Gazastreifen, darunter Säuglinge, an Unterkühlung gestorben sind. Es beruft sich dabei auf UNICEF. Außerdem behindern Einschränkungen bei der Einfuhr von Hilfsgütern, darunter Zelte und Planen, die Versorgung weiterhin (OCHA, Lagebericht 18.09.2026).
Warum wird Kälte in Zeltlagern gefährlich?
Ein Zelt ohne intakte Plane, ohne Bodenisolierung und ohne Heizmöglichkeit schützt kaum vor Regen und Wind, geschweige denn vor Frost. Für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen bedeutet das ein erhöhtes Risiko für Unterkühlung und Atemwegserkrankungen. Die elf gestorbenen Kinder aus dem letzten Winter zeigen, dass dieses Risiko real ist.
Das Deutsche Rote Kreuz beschrieb die Lage im Gazastreifen im Januar 2026 als dramatisch: Es fehle weiterhin an allem, an ausreichend Nahrung, Medikamenten, Strom und Wasser. Kälte und Nässe treffen dort auf Menschen, die ohnehin geschwächt sind (ZDFheute, 10.01.2026). Das Risiko lässt sich mit einfachen Mitteln senken: wetterfeste Planen, Decken, warme Kleidung und Brennmaterial.
Wie ist die Lage in Syrien und den Nachbarländern?
Auch außerhalb Gazas bleibt die Lage angespannt. Laut UNO-Flüchtlingshilfe waren im Sommer 2026 weiterhin 5,5 Millionen Menschen in Syrien selbst auf der Flucht. Dazu kamen Ende 2025 rund 4,9 Millionen syrische Geflüchtete weltweit. Immerhin sind 3,3 Millionen Menschen im Jahr 2025 in ihre Heimatorte zurückgekehrt, viele von ihnen in zerstörte Häuser und Gegenden ohne Arbeit (UNO-Flüchtlingshilfe).
Erschwerend kommt die Finanzierung hinzu. Dem UNHCR standen 2025 weltweit nur 3,5 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, das niedrigste Niveau seit zehn Jahren. Für 2026 plant die Organisation mit einem Bedarf von 8,5 Milliarden US-Dollar, während sich die Zahl der Geflüchteten weltweit in den letzten Jahren fast verdoppelt hat. Das UNHCR musste Aktivitäten und Personal um rund ein Drittel kürzen (UNO-Flüchtlingshilfe). Weniger Geld bei mehr Bedarf bedeutet: Decken, Heizmaterial und Winterkleidung reichen in vielen Lagern nicht für alle.
Wofür wird Winterhilfe eingesetzt?
Eigene Empfängerzahlen für eine Winterhilfe nennt Asunya hier nicht, weil wir dazu keine belegten Angaben haben. Zur Einordnung hilft ein Blick darauf, was andere Organisationen im selben Einsatzgebiet verteilen.
Islamic Relief Deutschland nennt für Gaza Planen, Decken, warme Kleidung und Bargeldgutscheine. Das Winterprogramm habe im vergangenen Winter über 11.200 Menschen in Gaza erreicht (Islamic Relief Deutschland). Muslime Helfen nennt als typische Wintergüter Decken, Winterkleidung, Bettwäsche und Heizmaterial wie Holz, Kohle oder Heizöl (Muslime Helfen). Das sind Angaben anderer Organisationen und keine Zusagen von Asunya. Sie zeigen aber, wofür Winterspenden im Nahen Osten üblicherweise verwendet werden: für den Schutz vor Kälte und Nässe.
Zakat al-Mal und Sadaqa im Winter
Wer ohnehin Zakat al-Mal zahlt, kann sie für die Nothilfe in der Kälteperiode einsetzen. Wie viel Sie zahlen müssen, erklärt unser Beitrag Zakat al-Mal einfach erklärt. Ihren Betrag berechnen Sie mit dem Zakat-Rechner. Wer nicht zakatpflichtig ist oder zusätzlich helfen möchte, kann freiwillig spenden (Sadaqa). Das ist unabhängig vom Nisab, der Mindestschwelle für die Zakat, möglich.
Was Sie jetzt tun können
- Für Decken, Winterkleidung, Planen oder Brennmaterial in der Region spenden. Bei Asunya geht das über die Nothilfe Gaza.
- Zakat al-Mal mit dem Zakat-Rechner berechnen und für Nothilfe in der Kälteperiode bestimmen.
- Alle laufenden Projekte finden Sie in der Übersicht unserer Spendenprojekte.
Für Syrien führt Asunya derzeit kein eigenes Projekt. Wer dort helfen möchte, findet Angaben bei der UNO-Flüchtlingshilfe.
Fazit
Die Zahlen aus dem Spätsommer 2026 zeigen, dass die Unterkünfte in Gaza schon vor dem Winter am Limit waren. NRC und Shelter Cluster sowie OCHA belegen das unabhängig voneinander. Im Vorwinter sind mindestens 11 Kinder an Unterkühlung gestorben, und in Syrien und den Nachbarländern sinkt die Finanzierung, obwohl der Bedarf steigt. Kälte in einem beschädigten Zelt ist kein Wetterproblem, sondern ein Gesundheitsrisiko für Kinder, Ältere und Kranke. Eine Spende, ob als Zakat al-Mal oder als freiwillige Sadaqa, wirkt im Winter am direktesten, wenn sie in Decken, wetterfeste Planen, Winterkleidung oder Heizmaterial fließt.
Quellen
- Middle East Monitor: Gaza winter nears as 162,000 tents become unusable (24.09.2026) (abgerufen am 4. Oktober 2026)
- NRC Deutschland: Gaza – 94 Prozent der Haushalte benötigen Unterstützung bei der Unterbringung (Juni 2026) (abgerufen am 4. Oktober 2026)
- Brussels Times / NRC und Shelter Cluster: Almost all households in Gaza in need of shelter aid (24.08.2026) (abgerufen am 4. Oktober 2026)
- OCHA oPt: Humanitarian Situation Report, 18 September 2026 (abgerufen am 4. Oktober 2026)
- ZDFheute: Rotes Kreuz zur Lage im Gazastreifen im Winter (10.01.2026) (abgerufen am 4. Oktober 2026)
- UNO-Flüchtlingshilfe: Nothilfe Syrien (abgerufen am 4. Oktober 2026)
- UNO-Flüchtlingshilfe: Unterfinanzierung gefährdet Flüchtlingshilfe weltweit (abgerufen am 4. Oktober 2026)
- Islamic Relief Deutschland: Winterhilfe in Gaza (abgerufen am 4. Oktober 2026)
- Muslime Helfen: Winterhilfe (abgerufen am 4. Oktober 2026)
Passendes Projekt
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